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Offene Kapitalzusagen planen. Unfunded Commitments im Family Office

Die offene Zusage ist die Zahl, auf der die Liquiditätsplanung eines Family Office steht, und sie ist in den meisten Tabellen falsch. Wie man sie richtig rechnet, wo sie kippt, und wie man künftige Abrufe einplant.

Kurz gesagt: Die offene Zusage eines Fonds ist die Zusage minus das, was gegen sie abgerufen wurde, plus die recallable Ausschüttungen, die wieder abgerufen werden dürfen. Über alle Fonds und Gesellschaften summiert ist sie der Betrag, den die Familie auf Abruf bereithalten muss. Die meisten Tabellen rechnen sie ohne die recallables, und dann wundert man sich über einen Abruf, den es nach der eigenen Rechnung nicht mehr geben dürfte.

Die Rechnung

AbgerufenSumme aller Abrufe, die auf die Zusage angerechnet werdenAbrufe
Offen, naivZusage − abgerufenAbrufeZusage
Offen, richtigZusage − abgerufen + recallable AusschüttungenAbrufeZusageRecallables
Jede Zeile fügt eine Zahl hinzu, die in einer Tabelle gern fehlt.

Das sieht nach einer Subtraktion aus. Es sind drei Stellen, an denen das LPA mitredet:

Recallable Ausschüttungen. Viele Fonds dürfen ausgeschüttetes Kapital innerhalb einer Frist wieder abrufen, typischerweise Rückflüsse aus kurz gehaltenen Investments oder überschüssig abgerufenes Kapital. Die Ausschüttungsmitteilung sagt, welcher Teil recallable ist. Wer die ganze Ausschüttung als endgültig bucht, weist eine zu niedrige offene Zusage aus, und der Fonds ruft genau diesen Betrag später ab.

Gebühren innerhalb oder außerhalb der Zusage. Bei manchen Fonds werden Management Fees gegen die Zusage abgerufen, bei anderen zusätzlich. Im ersten Fall verringern sie die offene Zusage, im zweiten nicht, und sie sind trotzdem Liquidität, die abfließt.

Ausgleichszahlungen bei späterem Einstieg. Wer in einem späteren Closing zeichnet, zahlt den bisher abgerufenen Anteil nach und oft einen Zinsausgleich obendrauf. Der Zinsausgleich wird in der Regel nicht auf die Zusage angerechnet.

Der kostenlose Rechner für offene Zusagen macht genau diese Rechnung je Fonds und über das ganze Portfolio, im Browser, ohne dass Daten Ihren Rechner verlassen. Wer Abrufe und Ausschüttungen lieber in einer eigenen Datei führt, findet dieselbe Rechnung in der kostenlosen Excel-Vorlage für Kapitalabrufe, mit eigenen Spalten für recallable Anteile, Gebühren außerhalb der Zusage und den Zinsausgleich.

Wann abgerufen wird

Die offene Zusage sagt, wie viel noch kommen kann. Für die Liquiditätsplanung zählt, wann.

  1. Jahr 0Erstes ClosingErster Abruf, oft für Gebühren und erste Investments
  2. Jahre 1 bis 5InvestitionsperiodeDer Großteil der Zusage wird abgerufen, meist ungleichmäßig
  3. DanachErnteAbrufe nur noch für Folgeinvestments, Gebühren und Kosten; Ausschüttungen überwiegen
  4. Am EndeVerlängerung und AbwicklungOft ein bis zwei Jahre länger als geplant
Die übliche Form eines geschlossenen Fonds. Die Bedingungen Ihres LPA gehen vor.

Daraus folgen drei Regeln für die Planung:

  1. Planen Sie nach Jahrgang, nicht nach Fonds. Ein Fonds in seinem zweiten Jahr ruft anders ab als einer im siebten. Wer die offene Zusage aller Fonds als einen Topf behandelt, überschätzt den Bedarf aus alten Fonds und unterschätzt den aus jungen.
  2. Nach der Investitionsperiode ist die offene Zusage meist nur noch teilweise abrufbar. Was dann noch kommt, sind Folgeinvestments, Gebühren und Kosten. Ein Teil der Zusage wird nie abgerufen. Wie viel, steht im LPA.
  3. Ein reifes Programm finanziert sich teilweise selbst. Ausschüttungen alter Jahrgänge decken Abrufe neuer. Das gilt im Durchschnitt, aber nicht in jedem Quartal, und gerade in schwachen Exit-Jahren kommen Abrufe weiter, während Ausschüttungen ausbleiben.

Für eine Prognose über einzelne Annahmen hinaus gibt es Modelle, das bekannteste stammt von Takahashi und Alexander und schätzt Abrufe und Ausschüttungen aus Jahrgang, Laufzeit und Abrufquote. Für ein kleines Family Office mit einer Handvoll Fonds reicht meist eine Tabelle nach Jahrgang mit vorsichtigen Annahmen, solange die Ausgangszahl stimmt. Und die stimmt nur, wenn die offene Zusage richtig gerechnet ist.

Der häufigste Fehler ist nicht die Prognose

Er ist die Ausgangszahl. Eine Prognose auf Basis einer offenen Zusage, die recallables vergisst, Gebühren falsch zuordnet oder seit zwei Quartalen nicht aktualisiert wurde, ist präzise falsch. Der zweithäufigste Fehler ist der Empfänger: Die Abrufmitteilung kommt per Mail an eine Person, und die Frist läuft, während diese Person im Urlaub ist. Was dann passiert, steht in Capital Call verpasst.

Wie Zahlenwerk das abbildet

In Wealth Management by Zahlenwerk ist jeder Abruf und jede Ausschüttung ein Datensatz an der Fondsposition, mit der Mitteilung, aus der er stammt. Eine Ausschüttung lässt sich ganz oder teilweise als recallable markieren, und der recallable Teil erhöht die offene Zusage wieder. Abgerufenes Kapital, offene Zusage und verbleibende Zusage ergeben sich aus den Datensätzen, je Fonds, je Gesellschaft und über alles.

Abrufmitteilungen werden per Weiterleitung oder Upload zu Datensätzen mit Betrag und Fälligkeit, und anstehende Abrufe stehen mit den verbleibenden Tagen im Dashboard, sichtbar für alle, die Zugriff auf die Gesellschaft haben.

Was es heute nicht tut: Künftige Abrufe über die bereits angekündigten hinaus prognostiziert Zahlenwerk nicht. Die Planung nach Jahrgang bleibt Ihre, mit einer Ausgangszahl, auf die Sie sich verlassen können.

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