Family-Office-Software im Vergleich, und wie man wirklich auswählt
Neun Anbieter, wofür jeder tatsächlich gebaut ist, und die vier Fragen, die schneller entscheiden als jede Funktionsmatrix. Inklusive der Fälle, in denen wir die falsche Wahl sind.
Jeder Vergleich von Family-Office-Software ist von einem der verglichenen Anbieter geschrieben, und jeder kommt zu dem Schluss, dass der schreibende Anbieter die richtige Antwort ist. Dieser Text ist ebenfalls von einem Anbieter. Wir stehen mit in der Liste, weiter unten, samt der ehrlichen Gründe, uns nicht zu nehmen.
Was folgt, ist keine Funktionsmatrix. Funktionsmatrizen sind der Weg in einen neunmonatigen Auswahlprozess, an dessen Ende die Plattform mit dem geduldigsten Vertrieb steht. Die brauchbare Fassung ist deutlich kürzer: vier Fragen, die den Markt ausdünnen, bevor Sie den ersten Termin machen.
Die vier Fragen
Wie groß ist der illiquide Teil Ihres Portfolios? Das ist die erste Frage, und für viele Häuser ist sie schon die Entscheidung. Eine Plattform, die um Depotanbindungen herum gebaut ist, ist auf der liquiden Seite hervorragend und auf der anderen strukturell schwach, denn für eine Fonds-LP-Position gibt es keine Schnittstelle. Sie kommt als PDF, ein Quartal verspätet. Wenn achtzig Prozent Ihres Bestands Wertpapiere sind, kaufen Sie den Aggregator. Wenn die Hälfte aus Fonds, SPVs und Direktbeteiligungen besteht, reicht Ihnen der Aggregator für den Rest eine Excel-Datei, und Sie stehen wieder am Anfang.
Brauchen Sie Buchhaltung oder nur Reporting? Das sind zwei Produkte, die als eine Kategorie verkauft werden. Reporting sagt Ihnen, was Sie halten und was es gebracht hat. Buchhaltung erzeugt Bücher je Rechtseinheit, mit denen Ihr Steuerberater arbeiten kann. Häuser mit einer GmbH, einer Stiftung und zwei SPVs stellen meist fest, dass sie beides brauchen, und zwar nachdem sie für eines unterschrieben haben.
Wie viele Einheiten, und wie streng müssen sie getrennt sein? Eine Familie mit einer Holding hat ein anderes Problem als ein Multi Family Office mit zwanzig Mandanten, die einander nie sehen dürfen. Fragen Sie konkret, wie die Trennung durchgesetzt wird. „Berechtigungen" ist eine schwächere Antwort als Row-Level Security in der Datenbank, und der Unterschied zeigt sich erst in der Prüfung.
Wo müssen die Daten liegen? Für ein deutsches oder schweizerisches Haus ist das oft der kürzeste Weg zur Entscheidung. Mehrere der stärksten Plattformen in diesem Markt sitzen in den USA oder offshore. Das ist kein Mangel, aber eine Randbedingung, und der Compliance-Verantwortliche fragt danach, bevor irgendjemand nach Funktionen fragt.
Der Markt, ehrlich sortiert
QPLIX ist im deutschsprachigen Raum nicht ohne Grund der Standard. Breite Abdeckung liquider und illiquider Anlagen, konsolidiertes Reporting, Governance und Compliance, und die institutionelle Tiefe, die eine Bank oder ein großes Multi Family Office braucht. Es ist nach verbreiteter Einschätzung im Markt auch die schwerste der hier genannten Optionen: die Einführung ist ein Projekt, keine Anmeldung. Als Single Family Office mit einer Handvoll Einheiten kaufen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Fähigkeiten, die Sie nie aktivieren.
fincite aus Frankfurt sitzt nah an Banken und Private Banking, mit der entsprechenden Compliance-Integration. Stark, wenn Ihre Anforderungen von Regulatorik und einer bestehenden institutionellen Systemlandschaft geprägt sind.
wealthpilot / finaplus ist das zugänglichere Ende des deutschen Marktes und häufig die Antwort für beratungsgetriebene Häuser, die gute Aggregation und Mandantenreporting wollen, ohne eine Einführung in QPLIX-Größenordnung.
iComps und PS Plus gelten im deutschen Markt beide als leichter und schneller einführbar als QPLIX, mit mehr vorgefertigter Struktur und entsprechend weniger Spielraum, Ungewöhnliches abzubilden. Für ein Haus mit eingespielten Prozessen und ohne exotische Vehikel ist dieser Tausch oft der richtige.
OWNLY richtet sich eher an Vermögensinhaber als an das Backoffice und liest sich auch so. Gut, wenn derjenige, der das Bild am dringendsten braucht, der Mandant ist; weniger, wenn es der Analyst ist, der es erstellt.
Masttro, Altoo, Aleta und Landytech sind die stärksten der internationalen Plattformen, und nicht zufällig die, die Ihnen oben in englischsprachigen Suchergebnissen begegnen, denn alle vier betreiben ernsthaftes Content-Marketing. Masttro und Altoo sind ausgereift, tief und für wirklich komplexe UHNW-Strukturen gebaut. Aleta und Landytech haben stark in automatisierte Dokumentenverarbeitung für Private Markets investiert, was genau das richtige Problem ist. Die Einschränkung für einen DACH-Käufer ist nicht funktional, sondern jurisdiktionell: Fragen Sie früh, wo die Daten liegen und welchem Recht sie unterliegen, denn davon hängt ab, ob der Rest der Prüfung sich lohnt.
Addepar sei als Referenzpunkt genannt, gegen den alle vergleichen, mit dem Hinweis, dass Preis und Zuschnitt auf eine andere Größenklasse zielen als die meisten Leser dieser Seite.
Wo wir passen, und wo nicht
Wealth Management by Zahlenwerk setzt beim Dokument an statt bei der Schnittstelle, weil die illiquide Hälfte die ist, die wehtut: Kapitalkontoauszüge, Abruf- und Ausschüttungsmitteilungen werden zu Portfoliodatensätzen, jede Zahl verweist zurück auf die Seite, aus der sie stammt, und alles Unsichere wartet auf einen Menschen, statt geraten zu werden. Daneben Bücher je Rechtseinheit, Trennung der Einheiten in der Datenbank durchgesetzt, Hosting in der EU, und Kennzahlen aus Ihren eigenen Cashflows statt aus dem Bericht des GP kopiert.
Wir sind die falsche Wahl, wenn:
- Ihr Portfolio überwiegend aus Wertpapieren besteht. Unser dokumentenzentrierter Ansatz löst ein Problem, das Sie nicht haben. Nehmen Sie einen Aggregator.
- Sie eine lange Historie im Raum brauchen. Wir sind mit wenigen Häusern in der Beta. Wenn Ihr Anlageausschuss eine zehnjährige Referenzliste verlangt, ist das eine legitime Anforderung, die wir nicht erfüllen.
- Sie bankaufsichtliche Meldemodule brauchen. In institutioneller Compliance-Tiefe haben QPLIX und fincite Jahre investiert, wir nicht.
- Sie Benchmarks gegen Marktindizes wollen. Heute nicht im Produkt. Das sagen wir lieber hier, als dass Sie es im zweiten Monat merken.
Wie Sie die Auswahl führen
Nehmen Sie ein Quartal echter Dokumente (Ihr unkooperativster Administrator, geschwärzt), zu jedem Anbieter auf der Shortlist und lassen Sie es vor Ihren Augen verarbeiten. Keinen kuratierten Demodatensatz. Ihren eigenen.
Das kostet einen Nachmittag und ist aufschlussreicher als jeder Funktionsvergleich, diesen eingeschlossen. Denn der Abstand zwischen dem, was eine Plattform über Dokumentenverarbeitung behauptet, und dem, was sie mit einem schlecht gescannten Auszug eines mittelgroßen deutschen Administrators tatsächlich macht, ist die Stelle, an der die meisten dieser Entscheidungen wirklich fallen.
Stellen Sie danach jedem Anbieter die vier Fragen von oben und schreiben Sie die Antworten mit. Die Shortlist schrumpft dabei meist auf zwei.